Im Hochsommer sollen die Räume kühl bleiben, warm duschen möchte man trotzdem. Warmwasser im Sommer ohne Heizung zu bereiten, funktioniert mit mehreren technischen Lösungen, sofern Raumheizung und Trinkwassererwärmung getrennt gesteuert werden können. Ich zeige, welche Varianten sich für Einfamilienhäuser, Wohnungen und kleine Haushalte eignen, was sie kosten und wo Hygienegrenzen liegen.
Die passende Sommerlösung trennt Warmwasser und Raumheizung sinnvoll voneinander
- Sommerbetrieb bedeutet meist, dass nur die Raumheizung pausiert, während Warmwasser weiter erzeugt wird.
- Solarthermie kann im Sommer einen großen Teil der benötigten Wärme liefern.
- Eine Brauchwasser-Wärmepumpe arbeitet effizienter als ein reiner Elektroboiler, braucht aber Platz.
- Durchlauferhitzer sind günstig in der Anschaffung, verursachen bei häufigem Duschen jedoch hohe Stromkosten.
- Bei zentralen Anlagen bleiben 60 °C am Speicher und mindestens 55 °C im Leitungssystem wichtige Orientierungswerte gegen Legionellen.

Der Heizkessel darf schweigen, die Warmwasserbereitung nicht unbedingt
Bei vielen Gas-, Öl- und Pelletheizungen gibt es einen Sommerbetrieb. Dabei wird die Heizfunktion für Heizkörper oder Fußbodenheizung abgeschaltet. Die Anlage springt aber weiterhin an, sobald der Warmwasserspeicher nachgeladen werden muss.
Das ist etwas anderes als das vollständige Ausschalten der Heizung. Wird die gesamte Anlage stromlos gemacht, fällt bei einem zentralen System meist auch das warme Wasser aus. Bei einer Kombitherme oder einem Durchlauferhitzer ist die Situation anders, weil das Wasser erst beim Öffnen des Hahns erwärmt wird.Ich empfehle deshalb, zuerst die Bedienungsanleitung oder das Display der Anlage zu prüfen. Die Einstellung heißt je nach Hersteller Sommerbetrieb, Warmwasserbetrieb oder Heizbetrieb aus. In einer Mietwohnung sollte die zentrale Anlage nicht eigenmächtig umprogrammiert werden, weil Warmwasser, Zirkulation und Hygiene zum Verantwortungsbereich der Hausverwaltung gehören können.
Vier Wege zu warmem Wasser ohne laufende Raumheizung
| Technik | Typische Anschaffungskosten | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Solarthermie | ca. 6.000 bis 10.000 Euro für Warmwasser | Sehr niedrige laufende Kosten im Sommer | Dachfläche, Speicher und bestehende Einbindung nötig |
| Photovoltaik mit Heizstab | abhängig von der vorhandenen PV-Anlage | Nutzt überschüssigen Solarstrom | Heizstab arbeitet nur mit Wirkungsgrad 1 |
| Brauchwasser-Wärmepumpe | ca. 1.300 bis 5.000 Euro | Effizient, unabhängig vom Heizkessel | Platzbedarf und Geräuschentwicklung |
| Durchlauferhitzer oder Elektroboiler | ca. 100 bis 600 Euro | Geringe Einstiegskosten, einfache Nachrüstung | Hohe Stromkosten oder Speicherverluste |
Solarthermie nutzt die stärkste Sommerquelle
Solarthermische Kollektoren erwärmen Wasser direkt über die Sonnenenergie. Für ein Einfamilienhaus reichen bei einer reinen Warmwasseranlage häufig 3 bis 6 Quadratmeter Kollektorfläche und ein Speicher mit etwa 250 bis 350 Litern. Im Sommer kann der Heizkessel dadurch oft vollständig ausgeschaltet bleiben.Die Verbraucherzentrale nennt für nachträglich eingebaute Anlagen zur Warmwasserbereitung grob 6.000 bis 10.000 Euro. Bis zu etwa 70 Prozent der jährlichen Energie für Warmwasser können aus Sonnenwärme stammen, wobei Ausrichtung, Verschattung und Verbrauch entscheidend sind. Für einen kleinen Einpersonenhaushalt rechnet sich die Investition meist schlechter als für eine Familie mit hohem Warmwasserbedarf.
Photovoltaik mit Heizstab ist einfach, aber nicht automatisch effizient
Ein Heizstab wandelt Solarstrom direkt in Wärme um. Das ist technisch unkompliziert und kann sinnvoll sein, wenn bereits eine Photovoltaikanlage vorhanden ist und regelmäßig Überschussstrom anfällt. Eine Steuerung sollte den Heizstab erst aktivieren, wenn der Strom nicht anderweitig im Haus gebraucht wird.
Der Nachteil liegt im Wirkungsgrad. Aus einer Kilowattstunde Strom entsteht ungefähr eine Kilowattstunde Wärme. Eine Wärmepumpe kann aus derselben Strommenge je nach Bedingungen etwa 2,5 bis 4 Kilowattstunden Wärme bereitstellen. Den Heizstab sehe ich daher eher als Ergänzung für sonnige Stunden, nicht als beste alleinige Lösung.
Die Brauchwasser-Wärmepumpe arbeitet unabhängig vom Heizkessel
Eine Brauchwasser-Wärmepumpe erwärmt ausschließlich Trinkwasser und nicht die Räume. Sie entzieht der Raumluft Wärme und überträgt sie auf einen Speicher. Dadurch kann der Heizkessel im Sommer komplett pausieren, während die Warmwasserversorgung weiterläuft.
Besonders gut passt das Gerät in einen Hauswirtschaftsraum, Keller oder Heizungsraum mit ausreichend Luftvolumen. Es kühlt und entfeuchtet den Aufstellraum leicht, was beim Wäschetrocknen angenehm sein kann. Ich würde allerdings den Platzbedarf von mindestens etwa 10 bis 15 Kubikmetern und die Geräuschentwicklung vor dem Kauf prüfen.
Durchlauferhitzer und Boiler lösen vor allem kleine Aufgaben
Ein elektronischer Durchlauferhitzer erwärmt das Wasser erst bei der Entnahme. Es gibt daher keine Speicherverluste, dafür braucht das Gerät beim Duschen häufig eine Leistung von ungefähr 21 kW. Der elektrische Anschluss muss dafür geeignet sein und gehört in die Hände eines Fachbetriebs.
Ein Elektroboiler ist günstiger und kann mehrere Zapfstellen versorgen. Er hält das Wasser jedoch ständig warm und verliert dabei Energie. Beide Geräte können in einer Ferienwohnung, einem Gäste-WC oder bei wenigen Entnahmen sinnvoll sein. Für einen großen Haushalt mit täglichen langen Duschen wird der reine Strombetrieb schnell teuer.
Was Verbrauch und Kosten im Alltag wirklich bedeuten
Die benötigte Energie hängt stärker vom Duschverhalten ab, als viele vermuten. Eine zehnminütige Dusche mit einem Durchfluss von 15 Litern pro Minute verbraucht bereits 150 Liter Wasser. Ein Sparduschkopf mit etwa 6 bis 9 Litern pro Minute kann den Bedarf deutlich senken, ohne dass der Komfort zwangsläufig leidet.
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Eine einfache Rechenhilfe
Um 50 Liter Wasser von 10 auf 60 °C zu erwärmen, werden theoretisch rund 2,9 kWh Wärme benötigt. Bei einem angenommenen Strompreis von 0,35 Euro pro Kilowattstunde wären das mit einem Heizstab oder Durchlauferhitzer etwa 1,02 Euro, bevor Leitungs- und Speicherverluste berücksichtigt werden.
Eine Brauchwasser-Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3 benötigt für dieselbe Wärmemenge nur ungefähr 1 kWh Strom. Die tägliche Ersparnis wirkt zunächst klein, summiert sich bei mehreren Personen aber spürbar. Bei geringem Verbrauch können die höheren Anschaffungskosten trotzdem länger als zehn Jahre bis zur Amortisation benötigen.
Der günstigste Betrieb entsteht meist, wenn Solarthermie oder eigener PV-Strom den größten Teil der Energie liefert. Bei einer neuen Anlage sollte ich trotzdem nicht nur den Sommer betrachten. Entscheidend sind Jahresverbrauch, vorhandener Speicher, Platz, Installationsaufwand und die Frage, ob das System auch im Winter sinnvoll eingebunden werden kann.
Hygiene bleibt auch im Sommer der Prüfpunkt
Warmes Trinkwasser darf nicht dauerhaft in einem lauwarmen Bereich stehen. Legionellen vermehren sich besonders gut bei Temperaturen zwischen etwa 25 und 45 °C. Deshalb ist es keine gute Sparmaßnahme, einen großen Speicher dauerhaft auf 40 oder 45 °C einzustellen.
Das Umweltbundesamt empfiehlt für zentrale Großanlagen grundsätzlich 60 °C am Ausgang des Trinkwassererwärmers. Im gesamten Warmwasser- und Zirkulationssystem sollten mindestens 55 °C erhalten bleiben. Als Großanlage gelten unter anderem Systeme mit mehr als 400 Litern Speicherinhalt oder mehr als 3 Litern Warmwasser in den Leitungen.Für Ein- und Zweifamilienhäuser gelten teilweise andere Voraussetzungen, das Risiko verschwindet dadurch aber nicht. Ich würde die Temperatur auch dort nicht ohne fachliche Prüfung deutlich absenken. Bei einer Brauchwasser-Wärmepumpe muss außerdem geklärt sein, wie der Speicher die hygienisch erforderliche Temperatur erreicht.
Die Zirkulationspumpe sollte nicht einfach dauerhaft abgeschaltet werden. Sie sorgt dafür, dass warmes Wasser schnell an den Zapfstellen ankommt und die Leitungen nicht auskühlen. Besser ist eine bedarfsgerechte Steuerung, die mit den Nutzungszeiten arbeitet und vom Fachbetrieb korrekt eingestellt wird.
Nach längerer Abwesenheit sollten wenig genutzte Leitungen gründlich gespült werden. In Mehrfamilienhäusern liegen Temperaturführung, Wartung und regelmäßige Legionellenprüfungen nicht allein in der Hand einzelner Bewohner.
So stelle ich die Warmwasserversorgung für den Sommer ein
- Anlagentyp feststellen. Prüfen Sie, ob Warmwasser über einen Speicher, eine Kombitherme, eine Wärmepumpe, Solarthermie oder einen Durchlauferhitzer bereitgestellt wird.
- Sommerbetrieb wählen. Deaktivieren Sie möglichst nur die Raumheizung und lassen Sie die Warmwasserfunktion aktiv.
- Solarenergie bevorzugen. Bei Solarthermie oder PV sollte die Speicherladung möglichst in die sonnenreichen Stunden zwischen etwa 10 und 16 Uhr gelegt werden.
- Zirkulation prüfen. Eine Zeitschaltung kann Verluste verringern, darf aber nicht zu hygienisch problematischen Stillstandszeiten führen.
- Verbrauch messen. Ein Zwischenzähler oder die Verbrauchsanzeige der Anlage zeigt, ob lange Duschzeiten, hohe Temperaturen oder Speicherverluste die Kosten treiben.
Wer nur gelegentlich warmes Wasser braucht, fährt mit einem elektronischen Durchlauferhitzer oft pragmatisch. Bei drei oder mehr Personen und regelmäßigem Verbrauch ist eine Brauchwasser-Wärmepumpe meist interessanter. Für eine bestehende Anlage mit geeigneter Dachfläche kann Solarthermie die eleganteste Sommerlösung sein.
Der pragmatische Sommerplan für Ihr Warmwasser
Für die meisten Haushalte ist der erste Schritt kostenlos. Stellen Sie die Heizung auf Sommerbetrieb, kontrollieren Sie die Warmwasserzeiten und lassen Sie die hygienisch erforderlichen Temperaturen bestehen. Erst danach lohnt der Vergleich einer Solarthermieanlage, einer Brauchwasser-Wärmepumpe oder eines elektrischen Systems.
Meine klare Empfehlung lautet, den Heizkessel nicht blind komplett auszuschalten, sondern die Warmwasserbereitung technisch sauber zu entkoppeln. So bleiben die Räume kühl, das Wasser komfortabel warm und die Einsparung entsteht dort, wo sie tatsächlich zählt: bei unnötigen Speicher-, Zirkulations- und Stromverlusten.