Ob sich eine Photovoltaikanlage wirklich lohnt, zeigt sich nicht an der maximalen Leistung auf dem Datenblatt, sondern an den erzeugten Kilowattstunden über das ganze Jahr. Eine PV-Ertrag-Tabelle macht sichtbar, wie stark Standort, Jahreszeit, Dachneigung und Ausrichtung den Ertrag beeinflussen. Ich zeige realistische Richtwerte für Deutschland, rechne Beispiele für typische Hausanlagen durch und ordne ein, was der Solarstrom für Wärmepumpe, Heizung und Eigenverbrauch bedeutet.
Die wichtigsten Richtwerte für eine realistische PV-Planung
- 900 bis 1.100 kWh pro kWp gelten bei guter Südausrichtung in Deutschland als realistische Größenordnung für den Jahresertrag.
- Eine 10-kWp-Anlage erzeugt je nach Standort und Dach meist etwa 8.500 bis 11.000 kWh Strom pro Jahr.
- Rund 70 bis 80 Prozent des Jahresertrags entstehen zwischen April und September.
- Ost-West-Dächer liefern etwas weniger Spitzenertrag, verteilen den Strom aber gleichmäßiger über den Tag.
- Eine Batterie verschiebt Solarstrom von Tag zu Nacht, kann den Wintermangel jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Die wichtigste Zahl ist der Ertrag pro kWp
Die Leistung einer PV-Anlage wird in Kilowattpeak, kurz kWp, angegeben. Das ist die mögliche Spitzenleistung der Module unter genormten Testbedingungen. Für die Praxis zählt aber der spezifische Ertrag in kWh pro kWp. Mit dieser Kennzahl lassen sich kleine und große Anlagen sinnvoll miteinander vergleichen.
Für ein gut ausgerichtetes Dach rechne ich in Deutschland meist mit etwa 900 bis 1.100 kWh pro kWp und Jahr. Die Verbraucherzentrale verwendet für viele Beispielrechnungen einen konservativen Richtwert von 900 kWh pro kWp. Eine konkrete Anlage kann wegen Wetter, Verschattung und Dachgeometrie deutlich davon abweichen.
| Region und typische Bedingungen | Jahresertrag pro kWp | Ertrag bei 10 kWp |
|---|---|---|
| Norddeutschland, gute Südlage | 850 bis 1.000 kWh | 8.500 bis 10.000 kWh |
| Mitteldeutschland, gute Südlage | 900 bis 1.050 kWh | 9.000 bis 10.500 kWh |
| Süddeutschland, gute Südlage | 950 bis 1.100 kWh | 9.500 bis 11.000 kWh |
| Leichte Verschattung oder ungünstige Dachfläche | 700 bis 900 kWh | 7.000 bis 9.000 kWh |
Die Tabelle liefert eine Planungsgröße, keine Ertragsgarantie. Ein sonniges Jahr kann die Prognose übertreffen, während Schnee, lange Bewölkung oder technische Ausfälle den tatsächlichen Wert reduzieren. Ich würde deshalb für die Wirtschaftlichkeitsrechnung eher mit dem mittleren oder unteren Bereich kalkulieren.
So verteilt sich der Solarertrag über die Monate
Die Jahreszahl wirkt zunächst beeindruckend, sagt aber wenig über den Zeitpunkt der Stromproduktion aus. Eine Anlage mit 1.000 kWh Jahresertrag pro kWp erzeugt im Dezember nicht annähernd so viel wie im Mai oder Juni. Für die folgende Orientierung nehme ich eine 10-kWp-Anlage in Mitteldeutschland mit guter Süd-Ausrichtung und rund 30 bis 35 Grad Dachneigung an.
| Monat | Richtwert in kWh/kWp | 10-kWp-Anlage |
|---|---|---|
| Januar | 25 | 250 kWh |
| Februar | 45 | 450 kWh |
| März | 85 | 850 kWh |
| April | 120 | 1.200 kWh |
| Mai | 135 | 1.350 kWh |
| Juni | 140 | 1.400 kWh |
| Juli | 130 | 1.300 kWh |
| August | 115 | 1.150 kWh |
| September | 95 | 950 kWh |
| Oktober | 65 | 650 kWh |
| November | 30 | 300 kWh |
| Dezember | 15 | 150 kWh |
| Jahr | 1.000 kWh/kWp | 10.000 kWh |
Diese Monatswerte sind geglättete Richtwerte. In einzelnen Jahren kann der Mai besser als der Juli ausfallen, weil hohe Temperaturen den Wirkungsgrad der Module etwas senken und wechselhaftes Wetter die Monate unterschiedlich trifft. Entscheidend bleibt die Größenordnung: Wintermonate liefern nur einen kleinen Teil des Jahresertrags.
Welche Rolle Ausrichtung und Dachneigung spielen
Ein Süddach mit etwa 30 bis 40 Grad Neigung bringt in vielen Regionen den höchsten Jahresertrag. Der Unterschied zu einer leicht abweichenden Neigung ist jedoch oft kleiner als erwartet. Nach meiner Erfahrung wird die optimale Dachneigung bei der Planung häufig überschätzt, während Verschattung und verfügbare Dachfläche zu wenig Beachtung finden.
| Ausrichtung | Typischer Jahresertrag | Praktische Einordnung |
|---|---|---|
| Süd, 30 bis 40 Grad | 950 bis 1.100 kWh/kWp | Höchster Jahresertrag und starke Mittagsproduktion |
| Südost oder Südwest | 900 bis 1.050 kWh/kWp | Nur moderat unter dem Südoptimum |
| Ost oder West, 20 bis 40 Grad | 750 bis 950 kWh/kWp | Mehr Strom am Morgen oder Nachmittag |
| Flachdach mit Aufständerung | 850 bis 1.000 kWh/kWp | Gute Planung nötig, um Eigenverschattung zu vermeiden |
| Nord, flache Dachneigung | 600 bis 850 kWh/kWp | Kann sinnvoll sein, wenn viel Dachfläche vorhanden ist |
| Nord, steile Dachneigung | 450 bis 700 kWh/kWp | Nur mit genauer Einzelberechnung einplanen |
Ost-West-Anlagen sind nicht automatisch die schlechtere Lösung. Sie erzeugen weniger hohe Mittagsspitzen, dafür passt ihr Erzeugungsprofil oft besser zum Stromverbrauch eines Haushalts. Das kann den Eigenverbrauchsanteil erhöhen und einen kleineren Batteriespeicher wirtschaftlicher machen.
Bei einem Schornstein, einer Gaube oder einem Nachbargebäude reicht schon ein kleiner Schatten, um einzelne Modulbereiche zu bremsen. Moderne Wechselrichter mit mehreren MPP-Trackern oder Moduloptimierern können solche Effekte begrenzen, aber sie ersetzen keine saubere Verschattungsanalyse.
So berechne ich den erwarteten Ertrag für das eigene Dach
Die Grundrechnung ist unkompliziert. Ich multipliziere die installierte Leistung mit dem erwarteten spezifischen Ertrag:
Jahresertrag = Anlagengröße in kWp × spezifischer Ertrag in kWh/kWp
Eine Anlage mit 8,2 kWp und einem erwarteten Wert von 950 kWh/kWp kommt rechnerisch auf 7.790 kWh pro Jahr. Für einen einzelnen Monat funktioniert dieselbe Rechnung mit dem jeweiligen Monatswert aus der Tabelle.
- Anlagengröße bestimmen: Zähle die geplanten Module und multipliziere ihre Nennleistung. 20 Module mit je 450 Wp ergeben beispielsweise 9,0 kWp.
- Standort und Dach bewerten: Berücksichtige Region, Himmelsrichtung, Neigung und mögliche Schatten.
- Passenden Richtwert wählen: Verwende bei Unsicherheit lieber den konservativen Bereich und nicht das technische Optimum.
- Monatsprofil prüfen: Vergleiche nicht nur den Jahreswert, sondern auch die erwartete Produktion im Winter und in der Übergangszeit.
Online-Rechner auf Basis von Satelliten- und Wetterdaten sind für eine erste Einschätzung hilfreich. Für eine belastbare Planung sollte der Installationsbetrieb zusätzlich die Verluste von Wechselrichter, Kabeln, Temperatur und Verschattung berücksichtigen. Diese liegen bei einer gut geplanten Anlage zusammen häufig im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Wichtig ist, Verluste nicht doppelt abzuziehen, wenn sie im Rechner bereits enthalten sind.
Was der PV-Ertrag für Heizung und Eigenverbrauch bedeutet
Gerade bei einer Wärmepumpe liegt der größte Strombedarf oft in den Monaten, in denen die PV-Anlage am wenigsten produziert. Eine 10-kWp-Anlage kann im Dezember nach dem obigen Richtwert etwa 150 kWh erzeugen, während Haushalt und Wärmepumpe zusammen ein Mehrfaches davon benötigen können. Der Solarstrom senkt die Stromrechnung trotzdem, deckt den Heizbedarf im Winter aber nicht vollständig.
| Verbraucher | Typischer Jahresverbrauch | Bezug zur PV-Anlage |
|---|---|---|
| Haushalt mit drei bis vier Personen | 3.000 bis 4.500 kWh | Guter Anteil direkt nutzbar, besonders tagsüber |
| Luft-Wärmepumpe im effizienten Einfamilienhaus | 2.500 bis 4.000 kWh | Mehr Verbrauch im Winter, daher saisonal ungünstig |
| Wärmepumpe plus Warmwasser | 3.000 bis 5.000 kWh | Warmwasserbereitung lässt sich teilweise in den Tag verschieben |
| Elektroauto | 1.500 bis 3.000 kWh | Sehr gut mit PV kombinierbar, wenn tagsüber geladen wird |
Am meisten bringt meist eine intelligente Steuerung, die Wärmepumpe, Warmwasserspeicher, Wallbox und Haushaltsgeräte auf sonnige Stunden abstimmt. Ein Batteriespeicher hilft vor allem dabei, den Abend- und Nachtverbrauch abzudecken. Er speichert jedoch keinen Sommerstrom für mehrere dunkle Wintermonate.
Ich würde den Speicher deshalb nicht allein nach der PV-Leistung auswählen. Entscheidend sind Lastprofil, Wärmepumpe, Ladeverhalten des Elektroautos und der Stromverbrauch in der Nacht. Ein übergroßer Speicher kostet mehr, steht im Sommer oft voll und verbessert die Wirtschaftlichkeit nicht automatisch.
Aus einer Ertragstabelle wird eine belastbare Entscheidung
Für die erste Planung genügt meist eine klare Größenordnung. Bei guter Ausrichtung sind 900 bis 1.100 kWh pro kWp realistisch, wobei der konkrete Standort und die Verschattung den Ausschlag geben. Für die Wirtschaftlichkeit sollte ich mit mehreren Szenarien rechnen und nicht nur mit dem besten Sonnenjahr.
Wer eine Wärmepumpe betreibt, sollte den Blick auf das Monatsprofil richten. Eine etwas kleinere Ost-West-Anlage kann im Alltag sinnvoller sein als eine maximal auf Süd optimierte Fläche, wenn dadurch mehr Strom morgens und nachmittags direkt im Haus genutzt wird.
Die beste Ertragsprognose ist am Ende diejenige, die Dach, Verbrauch und Heizsystem gemeinsam betrachtet. Eine einzelne Jahreszahl klingt präzise, wird aber erst dann wirklich hilfreich, wenn sie zeigt, wann der Strom entsteht und wie viel davon im eigenen Haus genutzt werden kann.